Macht vor Gericht

Im Februar 2024 verklagte Elon Musk OpenAI und Sam Altman: Das Unternehmen, das er 2015 mitgegründet hatte, habe seine ursprüngliche Mission verraten — eine KI zum Wohl der Menschheit, nicht zum Nutzen der Investoren. Die Milliardenforderung wirkte weniger wie eine Schadensersatzklage als wie der Versuch, einen Verrat juristisch greifbar zu machen.Das Gericht entschied nicht über den Verrat. Am 18. Mai 2026 befand eine Jury in Kalifornien die Klage für verjährt: Musk hätte den Kurswechsel spätestens 2018 erkennen müssen, Jahre bevor er klagte. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers bestätigte den Spruch.Gerade diese Nüchternheit ist die Pointe. Auch die mächtigsten Akteure der Technologiebranche müssen ihre Konflikte in die Sprache des Rechts übersetzen — in Fristen, Verfahren, Zuständigkeiten. Entschieden wurde nicht, wer philosophisch recht behält, sondern dass niemand außerhalb der Ordnung steht. Ob diese Ordnung den neuen Machtformen des digitalen Zeitalters gewachsen ist, bleibt offen.


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