Die Aluminium Fabrik


Der Geruch der Maschinen ist überwältigend. Aribela sitzt an einem breiten, langen Arbeitstisch, auf einem hochgestellten schwarzen Computerstuhl, und feilt an kleinen silbernen Aluminiumteilen. Ihre Bewegungen sind so langsam und sorgfältig, als ginge es um ihre eigene Maniküre. Sie wirkt versunken in das, was sie tut. „Die Arbeit muss respektiert werden“, sagt sie. Sie ist Polin und arbeitet seit sechzehn Jahren in der Fabrik. Ohne Handschuhe – ihre Nägel, mal rosa, mal rot, mal schwarz, stets lackiert, bleiben sichtbar wie kleine Akzente ihrer Persönlichkeit im grauen Produktionsraum.


Neben ihr, auf einem dunkelblauen Stuhl, sitzt ein kleiner Mann, der durch die weit nach vorn auf die Nase gesetzte Brille ein gefertigtes Aluminiumteil von allen Seiten betrachtet. Dann legt er es zur Seite und nimmt das nächste, bis er zehn Stück gezählt hat. Er rollt sie in dünnes Verpackungspapier ein — und so weiter, bis alle fünfhundert Teile verpackt sind. Er heißt Georg. Seit dreiunddreißig Jahren arbeitet er in dieser kleinen Aluminiumfabrik nahe der Grenzallee in Berlin. Vor zwei Wochen ist er mit 63 Jahren in Rente gegangen. Dreißig Stunden im Monat darf er als Minijobber weiterarbeiten. Schon vor Arbeitsbeginn ruft er lachend: „Keine Lust mehr! Ich gehe nach Hause. Feierabend!“ — und beginnt zu arbeiten. Über der Verpackungsmaschine hängt ein Bild von ihm: ein lächelnder blonder Kopf mit grünen Augen. Klein und robust. Ein Klebebandroller, ein schwarzer Edding, eine kleine rote Zange — alles mit seinem Namen beschriftet: Georgi. Eine Kaffeetasse, die von ihm angefertigte dreilinsige Brille und seine weißen, dicken Handschuhe liegen im Regal hinter dem Tisch.


Aluminium, Ordnungszahl 13. Ein unedles, primordiales Metall. In dieser Fabrik wird es im Eloxal-Verfahren beschichtet: Die Teile werden in Strom gebadet, die Schicht schützt vor Korrosion. Ob Aluminium giftig ist? Aribela beschriftet gerade ein Werkzeug mit ihrem Namen und zuckt mit den Schultern. Hier hat sie Simon kennengelernt und geheiratet — den Vorarbeiter der Abteilung. Sie haben zwei gesunde Kinder, und gemeinsam ein Haus gebaut.


Letztes Weihnachten hat Aribela ein Teelicht mitgebracht, das nach Zimt riecht. Es soll den Geruch der Maschinen neutralisieren. Das Teelicht steht hinter ihr im Regal. Ab und zu greift sie nach ihrem kleinen Teelicht, riecht daran – und macht sich wieder an die Arbeit.


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